Händedesinfektion

 

Die Hände des Menschen gehören zu den gefährlichsten, ja sogar zu den am todbringendsten Körperteilen. Damit ist nicht die Nutzung der Hände als oder mit Instrumenten zur Tötung gemeint, sondern die Übertragung von Krankheitserregern. Um genauer zu sein spricht das Infektionsschutzgesetz in § 2 von vermehrungsfähigem Agens (Virus, Bakterium, Pilz, Parasit). In Fachkreisen wird davoan ausgegangen, dass 70 % der Krankheiten über Hände übertragen werden.

 

Dass die Hände eine Gefahr in der Behandlung von Kranken und Verletzten sein kann, ist seit über 2.400 Jahren bekannt. Denn schon der griechische Arzt Hippokrates von Kos empfahl Wunden nur mit gereinigten Händen zu behandeln.

Ebenfalls im Altertum (Definitionen der Zeiträume nach Cellarius) zu verorten, sind die Lehren des griechischen und überwiegend in Rom praktizierenden Arztes Galenos von Pergamon, der mit den Lehren über die Kontagien und Miasmen viele Jahrhunderte die Medizin beeinflusste.

 

Aus der Zeit des Mittelalter (von 500 bis ca. 1.500) stechen die Ende des 13. Jahrhunderts entstandenen Regimen sanitatis Salernitanum hervor, welches der Schule von Salerno zugeschrieben wurde. Bei dieser „Schule“ handelte es sich um eine im 10. Jahrhundert gegründete und wohl die erste Lehranstalt und Ausbildungsstätte für Ärzte.

 

Entscheidende Umwälzungen in der Händehygiene fanden jedoch erst in der Neuzeit im 18. und 19. Jahrhundert statt.

 

Begonnen hat es mit Alexander Gordon (1752-1799) und Thomas Denman (1733-1815). Letzterer veröffentlichte im Jahr 1795 das Buch „A Treatise of the epidemic puerperal fever of Aberdeen“.

Bahnbrechender war gleichwohl die 1843 erschienene Schrift „The contagiousness of puerperal fever“ von Oliver Wendell Holmes (1809-1894), der die Ursache des Kindbettfiebers mit der Hygiene in Verbindung brachte. So ist auf Seite 28 der Schrift zu lesen „6. The occurrence of three or more closely connected cases, in the practice of one individual, no others existing in the neighborhood, and no other sufficient cause being alleged for the coincidence, is primafacie evidence that he is the ,vehicle of contagion.“

 

Den entscheidenden Schritt von der Erkenntnis zur Aktion der Händedesinfektion ist dem ungarischen Dr. und Professor Ignaz Philipp Semmelweis (1918-1865) zu verdanken.

 

Dieser konnte nach einer Unterbrechung am 20. März 1847 die Stelle als Assistent in der ersten Wiener Gebärklinik wieder aufnehmen. Durch den Tod seines Freundes und Gerichtsmediziner Jakob Kolletschka (1803-1847) erkannte Semmelweis den Zusammenhang und somit auch den Grund für deutlich niedrigere Sterblichkeit der Schwesterklinik in der Hebammen und nicht Medizinschüler ihren Dienst verrichteten.

 

So führte er die „Händedesinfektion“ zuerst mit einer Hypochloritlösung und kurze Zeit später mit einer 4 % igen des Chlorkalks ein. Nach dieser im Mai 1847 eingeführten Maßnahme sank die Sterblichkeit von im Jahr 1846 noch im Durchschnitt über 15 % liegend auf 2,9 % im Dezember 1847.

 

Ein weiterer wesentlicher Schritt waren die Aktivitäten des britischen Arztes und Professors Joseph Lister (1827-1912), der bei Operationen hitzedesinfizierte Instrumente verwandte. Daneben ließ er gleichzeitig die Hände in einer 2,5 % igen Karbolsäurelösung baden, was durchaus als Geburtsstunde der chirurgischen Händedesinfektion angesehen werden kann. Die Unterscheidung zwischen hygienischer und chirurgischer Händedesinfektion wurde jedoch erst 1905 durch Carl Georg Friedrich Wilhelm Flügge (1847-1923) eingeführt.

 

Der vielseits geehrte Robert Koch war jedoch einer derjenigen, die sich lange Zeit gegen die heute Verwendung von Alkoholen wehrte, da diese nicht gegen bakterielle Sporen wirkten. So wurde über viele Jahre Quecksilber(II)-chlorid und Phenol zur Händedesinfektion eingesetzt.

 

Allerdings schon 1896 entwickelte der Mediziner und Professor Johann Ludwig Ahlfeld (1843-1929) eine Methode unter Einsatz von Alkohol. Daneben etablierten sich in der ersten Hälfte des 20 zigsten Jahrhunderts unterschiedliche Präparate auf unterschiedlicher Basis, wie z.B. das bekannte Lysol und Sagrotan, oder das in den 50iger Jahren gebräuchliche Hexachlorphen.

 

Seit der erstmaligen Veröffentlichung der Richtlinien für die Prüfung chemischer Desinfektionsmittel im Jahr 1958 durch die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) sowie deren Anwendung beginnt sich der Einsatz von Alkoholen zu etablieren und durchzusetzen. Damit einhergehend setzte sich die Einreibemethode durch, und ersetzte die Schüsselmethode, d.h. das Eintauchen der Hände in ein Desinfektionsmittelbad. Somit versteht man unter Händedesinfektion die hygienische Behandlung der Hände durch Reibung.

 

Eine Besonderheit ist in Deutschland der Umstand, dass Händedesinfektionsmittel einerseits als Biozid, anderseits als Arzneimittel eingestuft werden. Grundsätzlich sind nach europäischem Recht Desinfektionsmittel Biozide. Sofern jedoch das Produkt verschreibungspflichtige Stoffe enthält, greift das Arzneimittelgesetz (AMG). Dies gilt im Übrigen auch für Produkte, welche die Voraussetzung eines Biozides und eines Arzneimittels erfüllen, was im AMG im Rahmen des § 2, Zweifelsregelung, explizit geregelt ist. Ob dies auf Dauer haltbar ist bleibt abzuwarten, denn bereits in einem am 06. Dezember 2011 erlassenen Urteil hat das Verwaltungsgericht Köln die Einstufung von Haut- und Händedesinfektionsmitteln als „richtig“ anerkannt.

 

Basierend auf der Übersichtsnorm EN 14885 werden Desinfektionsmittel geprüft. Weitere wichtige Unternormen sind:

 

- EN 1040 (grundlegende bakterizide Aktivität)

- EN 1275 (grundlegende levurozide, fungizide Aktivität)

- EN 13727 (bakterizide Wirksamkeit)

- EN 14476 (viruzide Wirksamkeit)

- EN 1500 (hygienische Händedesinfektion)

- EN 1499 (hygienische Händewaschung)

- EN 12791 (chirugische Händedesinfektion)

 

In Deutschland gibt es für den Einsatz von Desinfektionsmitteln zwei Listen. Während die RKI-Liste nur, und ausschließlich nur, für den Seuchenfall gilt, ist die VAH-Liste zum Standard im Routinebetrieb geworden. Der Verbund für Angewandte Hygiene (VAH) wurde 2003 gegründet und übernahm die Aufgaben der DGHM. Somit ist die ursprüngliche DGHM-Liste durch die derzeit gültige und regelmäßig aktualisierte VAH-Liste ersetzt.

 

Alle von uns vertriebenen Händedesinfektionsmittel erfüllen alle Normen und sind in der VAH-Liste, mitunter auch in der RKI-Liste, zu finden.

 

Da Haut- und Händedesinfektionsmittel auch Nachteile im Hinblick auf die Strapazierung der Haut haben, verfügen einige Produkte über rückfettende Anteile. Darüber hinaus haben wir entsprechende Hautschutz- und Hautpflegeprodukte in unserem reichhaltigem Sortiment.

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